Sehr geehrte Damen und Herren,

nach Ihrem nochmaligen Aufruf möchte ich Ihnen doch gerne eine Fotografie zukommen lassen, die in gewisser Weise nicht nur den Nerv der Corona-Zeit, sondern zufälligerweise auch noch bei Ihrem Ausschreibungsthema sinnfällig den Nagel auf den Kopf trifft. Da Sie geschrieben haben, Einsendungen dürften bereits veröffentlicht worden sein, erlaube ich mir das Zusenden. Die Fotografie ist bereits auf einem Kalender zu sehen, mit ihr gewann ich einen von zwölf Preisen bei Kreativwirtschaft Hessen. Allerdings handelt es sich nicht um eine Serie. Nun gut, vielleicht haben Sie trotzdem Freunde daran.

Herzlich grüßt

Simone Jung

ICH BIN FREI, WEIL ICH SELBSTBESTIMMT LEBEN MÖCHTE:

Aufgenommen habe ich die Skulptur im Günthersburgpark in Frankfurt am Main. Sie steht recht prominent nicht weit von einem der Eingänge und zeigt die Bronzeplastik „der Sämann“ vom belgischen Maler Constantin Meunier. Es ist weniger Komposition des Bildes, die mir gefällt. Den Mundschutz fand ich vor, die Schrift „sei frei immer!…“ ebenfalls. Ein Unbekannter sprühte diese Worte auf den Sockel. Der Schriftzug wurde bereits mehrfach überpinselt, da der Unbekannte seine Botschaft immer aufs Neue darüber setzt. Ganz gleich ob das Leben unbeschwert oder der Lebensspielraum wie in Coronazeiten eingeschränkt ist. Es erinnert mich an die weisen Worte, Freisein bedeutet Freiheit im Kopf.

Als frei Schaffende habe ich mich über die Jahre immer wieder mal gefragt, weshalb ich eigentlich diesen Weg gegangen bin.
Und bis heute kann ich sagen, ich lebe mein Leben als Freischaffende, weil ich die Wahl haben möchte.
Weil ich meine eigene Herrin sein möchte.
Weil ich selbst bestimmen möchte, mit welchen Inhalten ich mich befasse.
Weil ich selbstbestimmt leben möchte.

Freiheit kann auch beängstigend sein.
Wer sagt einem, wo es lang geht?
Wo sind die Grenzen, Barrieren, Zäune?
Ein bisschen unfrei sein, ist auch recht angenehm.
Sanfte Begrenzung weckt das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit.
Wie ein Zaun um ein Haus.

Wer frei ist, muss für sich selbst sorgen.
Muss Aufträge besorgen.
Den Alltag selbst strukturieren.
Zumindest Letzteres ist eine Erfahrung, die wohl gegenwärtig auch viele im Homeoffice befindlichen Angestellten machen.

Aber frei sein, bedeutet Freiheit im Kopf.
Diese Freiheit kann es auch unabhängig von Arbeitsverhältnissen geben. Weshalb sollte ein/e Angestellte/r weniger frei sein?
Ein freischaffender Mensch ringt möglicherweise ebenso um seine innere Freiheit wie ein/e Angestellte/r.
Für mich persönlich ist der Unterschied, dass ich selbst darüber bestimmen möchte, in welche Themen ich mich vertiefe. Dafür eignet sich besonders das freie Schaffen. Ist es doch meine Lebenszeit, die ich damit verbringe. Sei frei…