ich bin frei, weil ich so die Möglichkeit hatte und habe, für mehrere verschiedene Medien und Themenbereiche zu arbeiten und nicht nur einem Arbeitgeber verpflichtet zu sein. Das war damals, zu Beginn meiner Fotojournalistenzeit 1967 bei der Abendpost/Nachtausgabe und der Frankfurter Neuen Presse, so auch allgemein üblich. Festangestellte „Fotoredakteure“ waren die Ausnahme.
Mit zunehmender Digitalisierung auch in der Fotografie erwies es sich allerdings immer schwieriger, Fotos zu verkaufen. Jeder schreibende Redakteur konnte ja irgendwann mit seinem Handy selbst Fotos schießen und auch noch sofort übermitteln. Der mit Entwickler und Fixiersalz in der Dunkelkammer hantierende Fotograf hatte sich überlebt.
Der Niedergang meines eigentlich so schönen Berufsstandes erlitt den endgültigen Todesstoß, als die Corona-Pandemie ausbrach. Gut, ich war da bereits in der zweiten Hälfte der 70-er Jahre meines Lebens angekommen, aber die Freude am Fotografieren, am Entdecken neuer Blickwinkel und interessanter Motive hat nicht nachgelassen, wenngleich auch die Einkünfte entsprechend spärlicher fließen. Ganz versiegten sie dann mit der Ausbreitung des Virus, denn nun mangelte es auch an Motiven wie Versammlungen, Festen, Weihnachtsmärkten, Faschingsveranstaltungen und sonstigen öffentlichen Ereignissen. Und die wenigen, über die noch berichtet werden konnte, wurden von den Redaktionen mit ihren Stammfotografen, den festen Freien, beschickt. Da brauchte man erst gar nicht mehr mit einem Foto anzuklopfen, egal, wie gut es war.
Und schnell mal zu einem Unfall zu fahren, von dem man im Polizeifunk gehört hat, bringt auch nichts mehr, da immer häufiger Feuerwehrleute, die sowieso am Einsatzort sind, fotografieren und die Bilder der Presse zustellen.
Der freie Wortjournalist kann wenigstens noch in seiner Wohnung schreiben, der Fotograf dort aber schlecht seinen Wohnzimmerschrank, das Badezimmer und die Küche fotografieren. Zu allem Unglück gaben vor einiger Zeit auch noch mein Computer und Telefonfestnetz ihren technischen Geist auf.
Das sind wahrlich Gründe dafür, dass freie Bildjournalisten sich plötzlich in prekären Situationen befinden. Deshalb bin ich (so) frei,  Sie um Unterstützung aus dem Hilfsprogramm des Hessischen Kultusministeriums für Soloselbständige aus der Kreativwirtschaft zu bitten, damit ich irgendwann, wenn die Epidemie abflaut, wieder kreativ tätig sein kann. Eine CD mit meinen Fotos lege ich bei.

 

Entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihnen meine Bewerbung journalistisch steinzeitmäßig mit der Post sende. Aber mein technisches Equipment ist schon seit geraumer Zeit defekt und ich habe nicht das Geld, es reparieren zu lassen. Wobei wir auch schon hautnah beim Thema wären, der dringend notwendigen Unterstützung von Solo-Selbständigen aus der Kreativwirtschaft. Genau diese finanzielle Misere ist es auch, die mich eine der Wettbewerbsbedingungen für freie Fotografen nicht erfüllen lässt, die Dokumentation eines aktuellen und relevanten Geschehens bzw. eine fotografische Reihe von Details, die ansonsten unbeachtet blieben – wobei erschwerend natürlich hinzukommt, dass es durch die Corona-Pandemiepere se an Terminen, Motiven, Veranstaltungen, Prominentenauftritten, ja sogar Unfällen und Verbrechen mangelt und praktisch kein Zusatzeinkommen zu meiner schmalen Rente mehr zu erzielen ist. (Die kleine Rente ist im Übrigen der Grund, dass ich heute noch mit meinen 78 Jahren immer noch freiberuflich tätig bin, da ich auf diese Honorare angewiesen bin.) Selbst die schönen Aktivitäten des Ortsverbands Frankfurt im HJV wie beispielsweise die Führung durch die neue Altstadt durch OB Peter Feldmann vor eineinhalb Jahren, Grünkohlessen oder Treffen im Gemalten Haus, bei denen ich immer wieder mal Fotos machen konnte, finden nicht mehr statt. Und die Redaktionen nehmen, wenn überhaupt, eher die Bilder ihrer festen Freien als die eines Bildervagabunden wie mir. · Deshalb habe ich mir in ein wenig weiterer Auslegung der Wettbewerbsbedingungen etwas, wie ich meine, Alternatives und Originelles ausgedacht: Ich schicke Ihnen anbei von mir
erstellte Aufnahmen, die mehr als alle heute neu zu machenden Fotos belegen, warum ich mit vollem Herzen den Beruf des freien Bildjournalisten gewählt und über viele, viele Jahre mit Liebe und Hingabe erfüllt habe. „Ich bin frei, weil … “ so soll die schriftliche Bewerbung jeweils beginnen, und die Motivation dazu glaube ich mit dieser Fotostrecke überzeugender darlegen zu können als mit allen jetzt machbaren Aufn.ahmen. Ich bin frei, weil ich als gelernter Fotograf und mit einem starken Hang zum Journalismus schon immer einen besonderen Blick für die Menschen und Geschehnisse mitten im Leben hatte und habe. Ich wollte nicht als Fotoredakteur -so etwas gab es bis in die 70-er Jahre des letzten Jahrhunderts tatsächlich noch -als Auftragsempfänger Termine wahrnehmen
und dröge Veranstaltungen mit vorgegebenen Motiven besuchen müssen, sondern selbst gestalterisch mit Bildern, die nur ich lieferte, die Leser begeistern. Ich teilte meine Begabung mit den Abonnenten praktisch alle Printmedien in Frankfurt, wobei die damalige Abendpost/Nachtausgabe und die Frankfurter Neue Presse meine Schwerpunkte waren. Aber ich konnte und durfte meine Fotos auch an Illustrierte, die Boulevardpresse, Agenturen, Firmen und praktisch alle Interessenten verkaufen. Das hörte schlagartig mit dem Auftreten des Coronavirus auf. Showstars sieht man gar nicht mehr, Veranstaltungen finden nur noch virtuell statt, und immer die gleichen leeren Alleebänke und Fußballstadien zu fotografieren, dafür gibt kein Verleger auch nur einen müden Euro aus. Vielleicht ist es gerade deshalh umso interessanter, zum Vergleich zur heutigen Zeit noch einmal an jene schönen Tage zu erinnern, als der freie Fotograf seine Talente voll ausspielen konnte und hochaktuelle, zum Schmunzeln bringende oder bedeutsame dokumentarische Fotos machen konnte, die von den Redaktionen dankbar angenommen wurden und um die sie sich, ja, manchmal sogar rissen. Vor diesem Hintergrund schicke ich Ihnen 33 meiner Fotos zu folgenden Themenfeldern ein:

Prominenz: Konsalik (zwei Fotos mit der Nr. 1, jeweils rückseitig markiert), Katharina Valente mit Gerd Froebe (vier Fotos mit der Nr. 2), Konzertveranstalter Fritz Rau (Nr. 3), Romy Schneider (4), Herbert Wehner (7), die Jakob Sisters (8), Reiner Werner Faßbender (15), Diana Ross (16), Thomas Fritsch (17) und Ludwig Erhard (S).

Verbrechen/grausliche Unfälle: Nummern 6, zweimal 9 und 13 Baader-Meinhof-Bande: Andreas Baade (10), Thorwald Proll (11) und Gudrun Ensslin (12)

Wichtige Bauprojekte in Frankfurt: Hochhaus an der Uni im Bau (Nr. 18); Frankfurter Römer mit Parkplatz und geparkten Autos (19) und nach erfolgtem Umbau mit Pollern (20) Blick auf das neu erbaute Technische Rathaus (das mittlerweile ilbgerissen worden 1st), Nr. 21, und auf die alten Häuser der Braubachstraße und der noch nicht so dichten Frankfurter Hochhauskulisse (Nr. 22 und 23) und Das Herzstück von Frankfurt, die Hauptwache, im Umbau: Die Bildnummern24 (1-6) (Bild Nr. 14 fehlt, also gar nicht erst danach suchen!) Ich bitte Sie, mir diese Fotos aus einer Zeit, als die Welt (jedenfalls für freie Fotografen) noch in Ordnung war, wieder zurückzuschicken. Die Beweggründe für meine freiberufliche Tätigkeit habe ich dargelegt. Was darüber hinaus die erbetene Einschätzung der Relevanz von freien Journalisten und meine Visionen und Veränderungen durch Corona betrifft, sehe ich für meine Berufsgruppe schwarz: Jeder schreibende Redakteur kann heutzutage dank des technischen Fortschritts auch Fotos machen, die Bilder bearbeiten und auch ins Blatt stellen. Die allgemeinen Coronabeschränkungen fördern diese Entwicklung. Insofern gehört mein Berufsstand zu einer aussterbenden Gattung. Darüber will ich aber nicht klagen, das ist nun mal der Lauf der Dinge, sondern mich freuen, dass ich in der spannenden fotojournalistischen Zeit des ausgehenden 20. Jahrhunderts habe arbeiten dürfen und konnte.