Ich bin frei weil ich gerne mein eigener Chef und Herr über meine Zeit bin. Großeltern und Eltern haben es mir vorgelebt: Sie waren selbständig. Sie konnten entscheiden wie es mit ihrer Pension, Café weitergeht. Dazu passte mein Vater als selbständiger Filmproduzent. Wichtig für meine Familie immer, dass man seinen Weg findet. Verbale Auseinandersetzungen nicht scheut.

Mit 16 Jahren wusste ich: „Ich will Journalisten werden“ um Geschichten über Menschen zu schreiben. Zum Beispiel über meine alleinerziehende Freundin: Während des ersten Corona Lockdowns musste sie ihren Sohn 24 Stunden am Tag Zuhause pflegen. Es galt ein Betretungsverbot für die Behinderten-tagesstätte, die er sonst von Montag bis Freitag besucht. Sie war fix und fertig! Nach dem Artikel im „Bergsträßer Anzeiger“ bewegte sich der Träger. Nun gibt es feste Gruppen und feste Betreuer. Nur der Physiotherapeut fällt wieder aus, wegen Corona.

So wie fast alle Termine für die freien Mitarbeiter der Regionalzeitungen.

Und doch findet man immer wieder Themen über die man berichten kann. Besonders wenn man die Augen aufhält und den Menschen in der Umgebung zu hört. So der Run auf Immobilien auf dem Land oder auf Swimmingpools für den heimischen Garten oder wie erleben Senioren die Corona – Zeit.

Ich bin freie Journalistin, weil ich es liebe Themen auf den Grund zu gehen: Neugierig zu sein und nachzufragen. Beim Apotheker, der mir erzählt, man kann den Corona-Impfstoff der Firma BioNtech/Pfizer auch für kurze Zeit im Kühlschrank lagern.

Es sind die Menschen hinter den Geschichten, die mich interessieren. Die Beispielsweise unter dem Feinkohlestaub im Büro durch Tonerdrucker und Kopierer leiden. Oder der EU-Entscheidung für Energiesparlampen mit Quecksilber sowie ungesundem Licht und gegen Glühlampen.

Diese Themen realisierte ich für den Westdeutschen Rundfunk in Bielefeld.

Sich zwischen die Stühle zu setzen, auch bei der Ortspolitik, in unserem 6000 Seelendorf, das mag ich. Ich habe in den 80igern als freie beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt gearbeitet. Der international bekannte Filmregisseur

Rainer Werner Fassbinder war damals Intendant am Theater am Turm. Mit seinem Theaterstück: „Der Müll, die Stadt und der Tod“ provozierte er die Jüdische Gemeinde so sehr, dass sie die Bühne stürmten. Ich machte die Kontroverse um das Theaterstück zum Thema meiner Magisterarbeit. Der Dekan der Universität Gießen hatte so seine Bedenken. Als die Arbeit fertig war, gratulierte er mir. Ich finde es braucht Mut, um als freie zu arbeiten.

Aber das Gefühl sich jeden Morgen im Spiegel in die Augen schauen zu können ist einfach unbezahlbar.