Ich bin frei weil ich den Wechsel liebe. Den Wechsel der Themenvielfalt, der kommunikativen Plattformen und unerwarteten Ereignisse an wechselnden Orten der Handlung.

So war es bis zur Jahreswende 2020 und auch noch einige Wochen danach. Doch die Pandemie verlangt Opfer, geht mit Fusionen in der Zeitungslandschaft und Stellenabbau einher. Tageszeitungen verlieren an Auflage, greifen vermehrt auf Pressetexte von Agenturen und Vereinen zurück. Die Datenschutzgrundverordnung erschwert Journalisten die Recherche im öffentlichen Raum, wo die Pandemie zusätzlich einschränkend wirkt. Veranstaltungen im kulturellen Bereich finden nicht mehr statt. Konzerte werden abgesagt, Kulturkalender ausgesetzt. Strenge Kontaktbeschränkungen blockieren den journalistischen Alltag.

Viele Menschen nutzen in der Krise das Internet für den Kontaktaustausch. Es wird gechattet, gemailt, diskutiert.

Eine funktionsfähige Gemeinschaft scheint nur noch am Screen möglich zu sein, bei einer noch nicht einmal flächendeckenden digitalen Infrastruktur.

Redaktionen landauf, landab sind mit eigenständigen Alternativen restlos überfordert und geben freien Mitarbeitern zu verstehen, dass kein Bedarf an ihrer Berichterstattung besteht, weil „durch Corona sowieso alles irgendwie zusammengeschrumpft ist“ und die Freien doch selbst in den Krümeln suchen sollten, um aktuelle Themen zu finden.

Doch sind diese mühsam gefunden, erlaubt es der aktuelle Sparkurs der Verlagsgruppe nicht, sie auch zu übernehmen. Zwei von drei Themen werden aus nicht nachvollziehbaren Gründen gestrichen und ein einziges Thema der „To-do-List“ zugewiesen, wobei der Erscheinungstermin immer weiter verschoben wird. Und das alles nur, um diesen Monat nicht noch einen weiteren Artikel abrechnen zu müssen und sei das Honorar noch so minimal.

Menschen ernst nehmen, mit ihnen einen kritischen Dialog wagen und ernsthaft nach Perspektiven suchen, ist nicht angesagt.

Den Satz: „Die Zeitungen werden sterben, das steht fest, doch sie werden langsam sterben“, habe ich schon vor eineinhalb Jahren in einem Fachmagazin gelesen. Fakt ist, dass die Internetnutzung in Deutschland im vergangenen Jahr bei 94 Prozent gelegen hat. Vier von fünf Onlinern nutzen Social Media. Anstatt einen Blick in die Zeitung zu werfen sind Menschen im Durchschnitt täglich etwa dreieinhalb Stunden online. Die Entwicklung wird durch das physische Social Distancing in der Corona-Krise begünstigt. Social Media ist zu einem unersetzbaren Medium geworden, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, sich zu unterhalten, zu shoppen oder um am E-Gaming teilzunehmen.

Die News, die schon am Abend in der Tagesschau berichtet werden, stehen erst am nächsten Tag in der Zeitung. Soziale Netzwerke sind zu knallharten Wettbewerbern geworden.

Für mich war die Regionalzeitung immer ein Medium zur Orientierung und Einordnung. Doch Preis, Qualität und das Marketing müssen stimmen. Ich als Leser würde erwarten, dass die Zeitung meine Perspektive einnimmt und mir in einem gut recherchierten Artikel die Fragen beantwortet, die ich gerne kompetent beantwortet haben möchte. Reporter müssten mehr mit Leuten in Kontakt treten, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Corona bremst das aus, schadet dem Journalismus, der von Kontakten lebt und den Freien, weil sie von den wenigen noch ankommenden Aufträgen nicht mehr leben können.

Ich bin noch immer frei, weil ich die Hoffnung trotz allem nicht aufgegeben habe, dass irgendetwas den Print-Journalismus noch retten kann. Vielleicht sollten sich die Leser und die Journalisten nach der Krise einander wieder vertrauensvoller annähern. (Georgia Lori)