Ich bin frei, weil ich das Privileg habe, mit meinen Texten Menschen zu erreichen, obwohl ich mich noch am Anfang meiner beruflichen Tätigkeit im Journalismus befinde. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, auch die Themen zu bedienen, die eine jüngere Leserschaft ansprechen. Ein großer Vorteil meinerseits ist es, dass ich sowohl als freier Mitarbeiter im Lokaljournalismus tätig bin, gleichzeitig aber noch studiere. Erst durch mein Studium an der Uni Gießen habe ich meine Leidenschaft für den Journalismus entdeckt und nach Möglichkeiten gesucht, um diese Passion in meinem Alltag ausleben zu können. Was anfangs nur eine Nebentätigkeit war, wurde schnell zu einem zweiten Lebensmittelpunkt und ist mir besonders jetzt während der Pandemie eine große mentale Stütze.

Meine Zeit im Lokaljournalismus beim Gießener Anzeiger begann inmitten der ersten Welle und war geprägt von Terminabsagen, Onlinekonferenzen und einer großen Unsicherheit, ob meine Karriere als freier Mitarbeiter nicht schon im ersten Monat aufgrund der Krise endet. Wir Journalisten waren ebenso einer Ausnahmesituation konfrontiert wie das gesamte restliche Land. Einerseits hatten wir über die Pandemie zu berichten, andererseits sorgten wir dafür, dass in die tägliche Berichterstattung eine gewisse Abwechslung hereinkam. Mit Fortschreiten der Pandemie haben wir in Mittelhessen die Chance genutzt, verschiedenste Berufszweige nach ihren Zukunftsaussichten zu befragen und mussten uns selbst die Frage stellen, wie unsere eigene Zukunft aussieht. Noch habe ich das Privileg, dass ich jederzeit in mein Studium zurückkehren kann. Andere Kolleg*innen können das jedoch nicht tun, ihnen bleibt die Unsicherheit. Eine Geschichte blieb mir sehr in Erinnerung: Um die Weihnachtsfeiertage herum recherchierte ich für einen Artikel über die Situation von Bestattern im Raum Gießen. Die Telefonate und Gespräche, die ich zwei Tage vor Weihnachten führte, machten mir klar, dass ein Journalist mehr ist als nur ein „Geschichtenerzähler“, wie es oftmals noch in der Schule suggeriert wurde. Man ist gleichzeitig auch Psychiater, Seelsorger, Zuhörer, Unterstützer, Mitstreiter und Gesprächspartner und das in einer Zeit, wo keinem weihnachtlich zumute war. Hier hatte ich einen meiner intensivsten Momente während meiner bisherigen Laufbahn. Ich verstand, was es bedeutet, freier Journalist zu sein und welche Herausforderungen dieser Beruf mit sich bringt. Nach Erscheinen des Artikels erreichten mich zahlreiche Zuschriften der Interviewpartner, die dankbar dafür waren, dass ich ihnen zugehört habe und über ihre Lage berichtete.

Der Printjournalismus verändert sich stetig und mir ist bewusst, dass dieser seit Jahren rückläufig ist. Dennoch bin ich diesen Schritt gegangen und kann nun die Veränderungen beobachten, die die Pandemie mit sich bringt. Durch Pressekonferenzen, die online abgehalten werden, verlieren wir meines Erachtens nach immer mehr unsere eigenen sozialen Fertigkeiten. Diese sind aber normalerweise der Grundpfeiler unseres gesamten Berufes. Die Gespräche werden immer steifer, man stellt kaum noch Fragen und durch das Onlineformat wirkt vieles unpersönlicher. Journalismus lebt vom direkten Austausch und genau das findet momentan nur spärlich statt. Natürlich ist das pandemiebedingt, doch sollten wir uns überlegen, ob wir das in die Zukunft mitnehmen möchten. Corona hat uns alle aus dem Konzept gebracht und die Karten für viele von uns neu gemischt. Ich für meinen Teil werde in diesem Beruf bleiben und versuchen, nach der Pandemie ein Volontariat zu beginnen. Corona hat mir die Tür zu einem Beruf geöffnet, welcher mich jeden Tag auf´s Neue fasziniert und antreibt.