Beitrag von Christof Schmidt Lunau über seinen Kollegen Zino Peterek

Die Pandemie hat für viele Menschen Arbeit und Einkommen verändert – oft negativ, manchmal auch positiv. An dieser Stelle lassen wir Menschen zu Wort kommen, die Corona direkt im Arbeitsalltag und auf dem Konto spüren. Neunte Folge: Fotograf Zino Peterek aus Offenbach

Der November ist für Fotografen sowieso kein guter Monat. Wegen Corona geht allerdings zur Zeit fast gar nichts. Ich brauche kein Supereinkommen. Meine Freundin und ich sind nach Offenbach gezogen, weil die Mieten günstiger sind als in Frankfurt. Ich habe auch im vergangenen Jahr Jobs annehmen müssen, die nichts mit Fotografie zu tun hatten, zum Beispiel auf Messen. Doch die finden aktuell nicht statt.

Ich sag mal: „Not macht erfinderisch.“ Ich habe über Ebay einen neuen Kunden gefunden, der mir immer mal wieder einen Auftrag gibt. Ich fotografiere für ihn Wohnungen und Häuser, die er vermieten will. Im März hatte ich nichts zu tun. Da habe ich einfach auf der Straße und im Flughafen fotografiert, gleichsam die Leere dokumentiert. Die Bilder habe ich an verschiedene Zeitungen geschickt, ein paar davon sind in der Offenbach Post erschienen. Das hat sich gelohnt. Früher habe ich ab und an für 11 Freunde oder für Cicero gearbeitet, doch da ist zurzeit Funkstille.

Ich kann mir meine Jobs nicht aussuchen. Trotzdem habe ich gezögert, als ein Magazin für junge Soldaten angefragt hat. Ich bin nämlich Kriegsgegner und würde mich als politisch links bezeichnen. Ich fand das Magazin dann aber doch ganz interessant, auf keinen Fall kriegsverherrlichend. Da wurde kritisch über Rassismus in der Bundeswehr berichtet oder über Missbrauchsvorwürfe. Inzwischen habe ich Bundeswehrsoldaten beim Einsatz im Frankfurter Gesundheitsamt und bei der Teststation auf dem Flughafen fotografiert.

Mit der ersten Soforthilfe habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Im März hatte ich einen Antrag gestellt und tatsächlich 4.000 Euro erhalten. Dann gab es viele Nachfragen, ich habe ein halbes Dutzend Belege eingereicht. Jetzt fordert die Behörde alles zurück, meine Verdienstausfälle beträfen mein „Nebengewerbe“. Vielleicht weil ich ehrlich angegeben hatte, dass ich auch Messejobs hatte. Die brauchte ich, um überhaupt als Fotograf arbeiten zu können. Mein Widerspruch blieb erfolglos. Ich könne vor dem Verwaltungsgericht klagen. Doch da fallen erst einmal Gerichtskosten an, das könnte noch teurer werden.

Ob ich die Novemberhilfe beantrage, weiß ich noch nicht. Dafür müsste ich einen Steuerberater finden. Hartz IV hilft mir auch nicht: Das ist mir viel zu bürokratisch, ich müsste jeden Job melden und das zu viel gezahlte Geld zurückzahlen. Vielleicht muss ich mir irgendeinen 450-Euro-Job suchen. Für Fotografen gibt es kaum Festanstellungen und ein anderer Fulltime-Job würde mich daran hindern, zu fotografieren. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ich irgendwann einmal davon leben kann. Protokoll: Christoph Schmidt-Lunau.

Link zum Beitrag in der TAZ

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