… ich es immer sein wollte und sehr schätze. Selbstständig mit breitem Themenspektrum auf fundierter Basis für verschiedene Lokal- oder Regionalredaktionen zu schreiben und mitunter zu fotografieren bietet einerseits viel Spielraum und andererseits Sicherheit. Weder den Personalentscheidungen eines Arbeitgebers ausgeliefert noch auf ein einziges freiberufliches Standbein angewiesen zu sein, trägt mich bisher auch gut durch die Corona-Monate. Nicht aus singulärer finanzieller Abhängigkeit Sorgen um die eigene Existenz haben zu müssen, schützt und fördert zugleich die für eine Demokratie unverzichtbare Unabhängigkeit der Berichterstattung.

Sich keineswegs zwangsläufig auf Kompetenz gestützten Hierarchien unterzuordnen stand von klein auf nie zur Debatte. Ob Kimba, der weiße Löwe, oder der tapfere Cowboy, Jesus oder Winnetou, die kleine Hexe oder die rote Zora – meine Kindheitsidole waren ebenso wenig irgendwo angestellt wie meine Fixpunkte Eltern, Großeltern, Lieblingstanten oder -onkel. In meinem naiven Weltbild damals arbeiteten kluge, gebildete und engagierte Menschen als Selbstständige frei.

Um das selbst zu erreichen, war ein Umweg geplant. Nach ersten Schritten im Schülerzeitungseifer und als Freie bei Lokalzeitungen sollten nach Studium, Promotion und Volontariat maximal fünf Jahre als Redakteurin für genug Kontakte und Erfahrung sorgen, um die Selbstständigkeit auf stabile Füße zu stellen. Diese vielleicht nur vermeintliche „Durststrecke“ durchzustehen erübrigte sich. Während des Volontariats entwickelte sich eine vielfältige freie Mitarbeit an unterschiedlichen Special-Interest-Magazinen. Dieses Standbein erlaubte Ende 1995, die Übernahme als Jungredakteurin abzulehnen und direkt den Sprung in ein Leben als freie Journalistin zu wagen. Ihn habe ich nie bereut.

Ich bin frei, weil ich dadurch stetig Neues lernen darf, da ich selbst entscheide, mit welchen Themen ich mich befasse, welche Vor-Ort-Termine ich besuche und wen ich für Informationen anspreche. Ich bin frei, weil es abwechslungsreicher ist, jeden Tag eigenständig zu planen als mit festen Arbeitszeiten ähnliche Abläufe in vorgegebenen Bahnen zu absolvieren. Ich bin frei, weil ich so wählen kann, zu welchen Redaktionen ich intensiveren oder auf ein Minimum beschränkten Kontakt pflege. Im Gegenzug profitieren sie von Texten aus anderen Blickwinkeln, verlieren keinen Cent an mich für ineffektive Recherchen, private Telefonate oder internen Tratsch, leiden durch mich nicht an Störendem wie Mobbing oder Machtkämpfen und können bei Bedarf auf mich zurückgreifen, müssen es aber nie.

Ich bin frei, weil Kinder, Tiere, Hilfsbedürftige und individuelle Arbeitszeiten an Großraum-Desks nicht willkommen sind, mir die Selbstständigkeit aber eine hohe Lebensqualität samt der Ausübung von Ehrenämtern und für alle Seiten vorteilhafte Effizienz ermöglicht. Dazu gehört zum Beispiel, mal früh morgens im Bademantel oder noch nachts mit einer Katze auf dem Schoß Artikel zu schreiben, während die Wasch- oder Spülmaschine läuft, und die Hunde früher mit Kindern wie heute mit meiner dementen Mama zu Terminen mitzunehmen statt alle in Betreuungen zu geben. Dass ich bisher auch gesundheitlich angeschlagen immer Beiträge liefern konnte, erspart den Redaktionen Wartezeiten oder Ausfälle und mir, erst nach einem Arbeitstag in der Freizeit mit schlechtem Gewissen um auf mich Angewiesene und im Haushalt zu rotieren oder bei Krankheit zu stagnieren. Ich bin frei und möchte es bleiben, um trotz und mit Privatleben die Presselandschaft weitgehend unabhängig mit möglichst vielen anderen Freien so wie vor und während Corona hoffentlich noch lange danach zu bereichern.