Ich bin frei weil vieles in meinem Leben nicht frei ist.

Beruflich bin ich frei, privat bin ich es nicht.

Ich habe Engagements als Mutter, Ehefrau, Tochter, Schwester und Freundin.

Dabei erfülle ich die Aufgaben einer Gesellschafterin, Taxifahrerin, Köchin, Putzfrau und Psychologin.

Meine Arbeit als freie Journalistin gibt mir die Freiheit für alle diese Jobs die ich liebe, die ich genieße, auf die ich mich freue, die ich einfach mache, um es erledigt zu haben, für die ich Ausreden suche, um die ich mich drücke, die ich liegen lasse oder die ich hasse.

Beruflich habe ich als freie Journalistin eine Wahl: Hier bin ich Interviewerin, Entscheiderin, Schreiberin, Rechercheurin, Fotografin und Meinungsbildnerin.

Ich kann entscheiden, wann ich arbeite und worüber ich schreibe. Das liebe ich an meiner Arbeit. Ich kann Missstände aufzeigen, aber auch erfolgreiche Vorbilder und hoffe, dass beides motiviert.

Seit Corona wurde immer wieder über systemrelevante Berufe diskutiert. Systemrelevante Berufe umfassen die Arbeiten, die notwendig sind, um unsere Gesellschaft grundlegend am Laufen zu halten.

Freie Journalisten sind meiner Meinung nach systemrelevant, denn ihre unabhängige Berichterstattung zeigt auf, wo etwas nicht so läuft wie es sollte. Ob es sich nun um die Beschaffung des Impfstoffs dreht oder darum, dass viele Menschen eine Corona-Erkrankung überleben und wieder völlig gesund werden. Sie ist fundamental wichtig, gerade in einer Zeit, in der sich viele Menschen nur noch mit ihren Ängsten befassen. Sie haben Angst vor dem Tod, vor Arbeitslosigkeit, vor Vereinsamung und auch davor, dass nie wieder Normalität einkehrt.

Vor Corona habe ich häufig über Ausstellungen, Konzerte, politische Versammlungen und Autorenlesungen geschrieben.

Bei Anfragen war es immer einfach sich einen bestimmten Termin zu wünschen oder schlicht „Nein“ zu sagen. Natürlich konnte ich auch immer eigene Artikel-Themen vorschlagen, aber da es häufig viele Presseeinladungen gab, blieb dafür nicht immer die nötige Zeit.

Mit Corona hat sich nun alles geändert. Die Schulen und die Vereine sind geschlossen. Alle Menschen sollen möglichst zu Hause arbeiten, das gesellschaftliche Leben ist fast zum Erliegen gekommen. Über was kann man nun berichten?

Die Themen sind nun andere.

Der erste Lockdown hatte uns alle kalt erwischt und ich fand die Themen, über die ich schrieb, in meinem Alltag: Wir haben drei Kinder und alle Schulen hatten geschlossen.

Durch Homeschooling wurde ich zur Nachhilfelehrerin, Motivatorin, PC- und Druckerexpertin und Einscann-Meisterin.

Das Thema Schule beschäftigt mich beruflich und auch privat kontinuierlich seit dem ersten Lockdown.

Ich habe „Abitur 2020 – So ein Abi gab es noch nie“ geschrieben nachdem ich mit Abiturienten über die große Unsicherheit und die damit verbundenen Ängste, die herrschten, gesprochen hatte.

„Schule ohne Schüler ist doof und langweilig“ hies mein Artikel über den Schulstart für die Abschlussklassen der Haupt- und Realschulen und die Q2 im April 2020. Da die Schüler auch zur Schule hinkommen mussten schrieb ich „Schule und Schulbusbetrieb gehen wieder los“ und machte darauf aufmerksam, dass der geforderte Mindestabstand in öffentlichen Verkehrsmitteln fast unmöglich einzuhalten ist, die Schüler werden in die Züge gequetscht als gäbe es keine Pandemie, mehr Verkehrsmittel wurden aber nicht eingesetzt.

Dann kam es zum zweiten Lockdown und alle Schüler waren wieder zu Hause. Ich habe „Distanzunterricht lebt von der Kommunikation“ geschrieben, nachdem ich mit allen fünf Schulelternbeiräten der weiterführenden Schulen im Rheingau gesprochen hatte. Hierbei stellte sich heraus, dass sich Eltern und Schüler mehr Videokonferenzen wünschen, um den Lehrer-Schüler Kontakt zu verbessern.

Mein Artikel hat gezeigt, dass es hier sehr große Unterschiede gibt. In manchen Fächern besteht der Unterricht aus Arbeitsblättern, die online gestellt werden. Eine Woche später gibt es dann die Lösungen und neue Arbeitsblätter, ein Feedback findet nicht statt. Je nach Schule und Lehrer gibt es Klassen ohne Video-Unterricht, während andere Klassen an anderen Schulen täglich drei Unterrichtsstunden per Video-Konferenz haben. Mein Artikel sollte diese Missstände aufzeigen und ich hoffe, er hat etwas bewirkt.

In ein paar Wochen werde ich mich wieder an die Schulelternbeiräte wenden, ich bin schon gespannt, ob sich etwas getan hat.